Modica: zwei Städte in einer

Modica ist vertikal gebaut. Wer von der Unterstadt (Modica Bassa) durch die Gassen der Oberstadt (Modica Alta) zum Dom San Giorgio aufsteigt, begreift, was gemeint ist: eine Stadt auf Fels, die sich über zwei Hügel mit einer tiefen Schlucht verteilt. Nach dem Erdbeben von 1693 wurde beides im selben Barockstil neu aufgebaut - Teil des Val di Noto UNESCO-Welterbes (2002). Heute gehört Modica auch zum teuersten Ausflugsziel des südostsizilianischen Barockgürtels - wegen der Schokolade.

Die Modica-Schokolade: Azteken-Rezept mit EU-Siegel

Was Modica von allen anderen Barockstädten unterscheidet, ist nicht die Architektur. Es ist eine Zubereitungsmethode für Schokolade, die aus dem 16. Jahrhundert stammt und sich hier - und nirgendwo sonst in Europa - erhalten hat.

Die Spanier brachten während ihrer Herrschaft über Sizilien das aztekische Verfahren mit: Kakao wird auf einem flachen Stein (metate) zerrieben und nie über 40 °C erhitzt. Bei dieser Temperatur löst sich der zugesetzte Zucker nicht auf - er bleibt als kristalline Struktur erhalten. Das Ergebnis: eine körnige, bröselige Schokolade ohne Milch, ohne Kakaobutter, ohne Conchieren. Keine Praline, kein Riegel im modernen Sinne. Eher ein Stück gegossener Kakao mit Gewürzen - Zimt, Vanille, Chili, Zitrusschale.

2018 erhielt Modica-Schokolade das EU-Gütesiegel IGP (Indicazione Geografica Protetta) - als erste und einzige Schokolade Italiens mit diesem Schutz.

Wo kaufen

Die Antica Dolceria Bonajuto (Corso Umberto I, 159) ist die älteste noch produzierende Schokoladenfabrik Siziliens, gegründet 1880, heute in der 6. Generation. Hier kann man kaufen und die Herstellung beobachten. Kein Museum-Charakter, kein Tourist-Trap - eine funktionierende Konditorei, die seit 145 Jahren dasselbe macht.

Sabadì in der Stadtmitte bietet kostenlose Verkostungen, Führungen und einen ungewöhnlichen Reiferaum, den das Unternehmen als weltweit ersten "Schokoladen-Reifekeller" bezeichnet.

Dom San Giorgio: Barock auf dem Fels

In der Oberstadt, nach einem Aufstieg durch schmale Treppengassen, öffnet sich der Blick auf etwas, das man nicht erwartet: eine 62 Meter hohe Barockfassade, von einer Freitreppe mit 250 Stufen über die Unterstadt erhöht. Der Dom San Giorgio, entworfen von Rosario Gagliardi (Baubeginn 1738, Fertigstellung 1775), gilt als eines der bedeutendsten Barockwerke Europas. Die Fassade inspirierte nachweislich die Dresdner Kathedrale (1753). Die Freitreppe wurde bewusst in Anlehnung an die Spanische Treppe in Rom angelegt.

Innen: ein neunflügeliger Polyptychon von 1573 und das Gemälde "Mariä Himmelfahrt" von Filippo Paladini (1610). Der Blick von der Treppenanlage zurück auf Modica Bassa und die Hügel des Val di Noto ist einer der besten Panoramablicke im Südosten Siziliens.

Dom San Pietro: Apostel am Hauptkorso

In der Unterstadt, direkt am Corso Umberto I, steht die zweite große Kirche: San Pietro. Das Auffälligste sind die zwölf Apostelstatuen - die "Santoni" - auf Sockeln entlang der Freitreppenbrüstung. Die monumentale Treppe läuft direkt zur Hauptdurchgangsstraße hin, was den Kontrast zwischen Alltag und sakraler Architektur fast theatralisch macht.

Unterstadt und Oberstadt: Verbindung

Zwischen Modica Bassa (Unterstadt am Corso Umberto I) und Modica Alta (Oberstadt mit Dom San Giorgio) gibt es steile Treppenanstiege durch Gassen. Der direkteste Weg dauert 15-20 Minuten zu Fuß. Auf der anderen Seite des Hügels gibt es eine zweite Altstadt-Ebene. Wer zu Fuß nicht gehen möchte: Es gibt lokale Busverbindungen und Taxis.

Praktische Informationen

Modica hat keine ZTL - man kann mit dem Mietwagen direkt ins Zentrum fahren. Parkplätze in der Nähe des Corso Umberto I sind vorhanden; in der Hochsaison frühzeitig ankommen.

Entfernungen: Ragusa 15 km (ca. 18 Minuten - ideal für eine Kombination an einem Tag). Siracusa ca. 73-77 km, ca. 1 Stunde 10 Minuten. Noto ca. 45 km, ca. 40-45 Minuten.

Beste Kombination für eine Sizilien-Rundreise: Modica und Ragusa an einem Tag kombinieren (morgens Ragusa Ibla, nachmittags Modica), dann weiter nach Noto oder zurück nach Siracusa.

Häufige Fragen

Was ist Modica-Schokolade und warum ist sie so besonders?

Modica-Schokolade wird nach einem aztekischen Verfahren hergestellt, das die Spanier im 16. Jahrhundert nach Sizilien brachten. Der Kakao wird nie über 40 °C erhitzt - daher "Kaltschokolade". Bei dieser Temperatur löst sich der zugesetzte Zucker nicht auf, sondern bleibt als Kristalle erhalten: Das ergibt die charakteristische körnige, bröselige Textur. Keine Milch, keine Kakaobutter, kein Lecithin. Nur Kakaomasse, Zucker und Gewürze. Seit 2018 hat Modica-Schokolade das EU-Gütesiegel IGP - als erste und einzige italienische Schokolade.

Welche Schokoladenläden in Modica sind empfehlenswert?

Antica Dolceria Bonajuto (Corso Umberto I, 159) ist die älteste noch produzierende Schokoladenfabrik Siziliens - gegründet 1880, heute in der 6. Generation. Sabadì in der Stadtmitte bietet kostenlose Verkostungen und Führungen sowie den weltweit ersten "Schokoladen-Reifekeller".

Wo liegt der Dom San Giorgio in Modica - in der Ober- oder Unterstadt?

Der Dom San Giorgio liegt in der Oberstadt (Modica Alta/Superiore). Er steht auf einer monumentalen Freitreppe mit 250 Stufen und dominiert von dort den Blick über die gesamte Stadt. Die Unterstadt (Modica Bassa) liegt im Tal entlang des Corso Umberto I, wo San Pietro, die Schokoladenläden und die meisten Restaurants zu finden sind.

Gibt es eine ZTL in Modica?

Nein. Modica hat keine permanente ZTL. Man kann mit dem Auto ins historische Zentrum fahren. Gelegentliche Straßensperrungen gibt es freitagabends (Corso-Sperrung ab ca. 21:00 Uhr) und bei Veranstaltungen.

Wie weit ist Modica von Ragusa und von Siracusa entfernt?

Modica liegt nur 15 km von Ragusa entfernt, Fahrzeit ca. 18 Minuten - ideal für eine Kombination an einem Tag. Von Siracusa sind es ca. 73-77 km, Fahrzeit ca. 1 Stunde 10 Minuten.

Was ist das Besondere am Dom San Giorgio in Modica?

Der Dom San Giorgio in Modicas Oberstadt gilt als eines der bedeutendsten Barockbauwerke Europas. Die 62 Meter hohe Fassade wurde von Rosario Gagliardi entworfen und inspirierte nachweislich spätere Barockkirchen, darunter die Dresdner Kathedrale (1753). Die monumentale Freitreppe mit 250 Stufen wurde bewusst in Anlehnung an die Spanische Treppe in Rom konzipiert.