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Marsala-Wein

Essen und Trinken

Marsala-Wein

Siziliens berühmter Likörwein, erfunden von englischen Kaufleuten im 18. Jahrhundert. Aufgespritet auf mindestens 17,5 bis 18 Prozent, von knochentrocken bis sehr süß, gereift von einem bis über zehn Jahre. Heute weit mehr als nur Kochwein.

Wie ein Engländer den Marsala erfand

1773 zwang ein Sturm den Liverpooler Kaufmann John Woodhouse in den Hafen von Marsala. Man reichte ihm den lokalen Wein, der nach einem Fass-Verfahren reifte und an Sherry erinnerte. Woodhouse kaufte eine Ladung, gab ihr vor dem Verschiffen nach England einen Schuss Branntwein - das machte den Wein haltbar und alkoholstärker. So wurde aus einem Bauernwein ein Exportartikel, der bald mit Sherry und Portwein konkurrierte.

Den Sprung zur Industrie schaffte 1833 der aus Kalabrien stammende Unternehmer Vincenzo Florio. Seine Cantine Florio wurden zum führenden Haus und stehen bis heute am Meer vor Marsala. Eine politische Fußnote nebenbei: 1860 landete Garibaldi mit seinen Tausend in Marsala und löste die Einigung Italiens aus. Als er 1862 zurückkehrte, wurde ihm der Wein angeboten, und ihm zu Ehren erhielt eine süße Variante den Namen Garibaldi Dolce, den sie bis heute trägt.

Die Kategorien - vom Fine bis zum Vergine

Marsala ist nicht gleich Marsala. Drei Dinge ordnen das Feld: Farbe, Süße und Reifezeit. Die Farben heißen Oro (gold) und Ambra (bernstein), beide aus weißen Trauben wie Grillo und Catarratto, sowie Rubino (rubinrot) aus roten Sorten. Bei der Süße trennt man Secco (unter 40 g Zucker pro Liter), Semisecco (40 bis 100 g) und Dolce (über 100 g).

Entscheidend für die Qualität ist die Reifezeit. Fine reift mindestens ein Jahr, Superiore zwei, Superiore Riserva vier. Die Oberklasse bilden die Vergine-Weine: mindestens fünf Jahre, beim Stravecchio zehn. Der Vergine wird ohne Zusatz von gekochtem Most ausgebaut, ist meist knochentrocken und nussig - ein ganz anderes Getränk als der süße Marsala, den viele aus der Küche kennen.

Marsala heute - mehr als Kochwein

Lange galt Marsala vor allem als Flasche neben dem Herd, gut für Zabaione und Scaloppine. Das wird dem Wein nicht gerecht. Ein gut gereifter Vergine ist ein ernsthafter Aperitif oder Meditationswein, trocken, mit Noten von Mandel, Trockenfrucht und Karamell. Süßer Marsala dagegen passt zu Cassata, Cantucci oder Blauschimmelkäse.

Wer in Westsizilien unterwegs ist, sollte die Cantine Florio einplanen: Florio bietet die Führungen durch die alten Fasshallen nur mit Verkostung an, sie dauern 1,5 bis 2,5 Stunden. Nördlich von Marsala liegen das Stagnone mit der Insel Mozia und der Saline Ettore e Infersa, dahinter die Salinen von Trapani, beides lässt sich mit dem Besuch verbinden.

Häufige Fragen

Was ist Marsala-Wein?

Ein aufgespriteter Wein aus der Gegend um die Stadt Marsala in Westsizilien, vergleichbar mit Sherry oder Madeira. Durch Zugabe von Weinbrand oder Alkohol kommt er auf mindestens 17,5 % beim Fine und 18 % bei Superiore und Vergine. DOC seit 1969.

Aus welchen Trauben?

Oro und Ambra (gold, bernstein) aus weißen Sorten: Grillo, Catarratto, Inzolia, Damaschino. Rubino (rubinrot) aus roten: Perricone, Nero d Avola, Nerello Mascalese.

Welche Kategorien gibt es?

Nach Reifezeit: Fine ab 1 Jahr, Superiore ab 2, Superiore Riserva ab 4, Vergine ab 5 und Vergine Stravecchio ab 10 Jahren. Der Vergine kommt ohne Zusatz von gekochtem Most aus und ist meist trocken.

Trocken oder süß?

Secco unter 40 g Zucker pro Liter, Semisecco zwischen 40 und 100, Dolce über 100. Trockener Marsala ist Aperitif, süßer Marsala Dessertwein.

Wie trinke ich Marsala?

Trockenen Vergine kühl als Aperitif, zu Mandeln oder gereiftem Käse. Süßen Marsala zum Dessert, klassisch zu Cassata oder Cantucci. In der Küche steckt er in Zabaione und Scaloppine al Marsala.

Wer war John Woodhouse?

Ein englischer Kaufmann, der 1773 im Hafen von Marsala strandete, den lokalen Wein probierte und ihn mit Branntwein haltbar gemacht nach England verschiffte. Damit begann der Marsala als Exportwein.

Welche Cantina besuchen?

Cantine Florio (gegründet 1833) mit ihren historischen Fasskellern direkt am Meer ist der Klassiker. Pellegrino und kleinere Familienbetriebe wie Rallo oder Curatolo Arini sind intimer. Führungen mit Verkostung kosten ab etwa 30-35 €, bei Florio 35 bis 120 €.

Wann hinfahren?

September zur Lese, wenn auf den Gütern Betrieb ist. Mai und Juni für ruhigere Touren. Marsala selbst lässt sich gut mit den Salinen und Trapani verbinden.

Worin unterscheidet sich Marsala von Etna-Wein?

Marsala ist ein aufgespriteter Likörwein aus der Ebene, Etna ein trockener Vulkanwein aus der Höhe. Mehr zum Etna-Wein.

Offizielle Quellen


Stand: September 2026.

Autor: Martin Höllinger