Was Savoca ausmacht
Ein Bergdorf mit knapp 1.800 Einwohnern, das international bekannt ist - aus zwei sehr verschiedenen Gründen. Erstens: die Eingangsszene mit Michael Corleone aus dem ersten „Paten“ (1972) wurde hier gedreht. Wer in Sizilien einen Pate-Pilgerweg geht, kommt um Savoca nicht herum. Zweitens: 17 Mumien in der Capuziner-Krypta - eine der wenigen erhaltenen Mumien-Sammlungen Süditaliens. Beides am selben Bergrücken, auf 330 m Höhe.
Geographisch eines der charakteristischsten Bergdörfer Süd-Siziliens. Sieben Stadtviertel auf einem schmalen Felsrücken, „sette facce“ - sieben Gesichter - heißt das lokale Sprichwort. Aussicht in alle Richtungen: Ionisches Meer im Osten, Aetna im Süden, kalabrische Küste im Nordosten, Peloritani-Berge im Westen. Mitglied der „Borghi più belli d'Italia“. Vom Massentourismus bisher verschont, weil die Bergstraße abschreckend genug ist.
Bar Vitelli und Coppolas Pate-Dreh
Im Sommer 1971 stand Francis Ford Coppola vor einem Problem: Der erste „Pate“ sollte teilweise in Sizilien gedreht werden, in den Heimatszenen Michael Corleones. Ursprünglich war Corleone selbst als Drehort vorgesehen - der Geburtsort der Familie. Aber Corleone war in den frühen 70ern das Zentrum eines aktiven Mafia-Kriegs zwischen den Familien Riina und Bontate. Filmen war zu unsicher, kein Schutz möglich.
Coppola schickte Scouts ins Hinterland von Taormina. In Savoca fanden sie genau das, was er brauchte: enge mittelalterliche Gassen, eine alte Bar in einem Palast aus dem 18. Jh., eine Kirche mit Treppe für die Hochzeitsszene. Gedreht wurde im Sommer 1971: Michael (Al Pacino) trifft Apollonia (Simonetta Stefanelli) auf einem Spaziergang, fragt ihren Vater in der Bar Vitelli (eigentlich Palazzo Trimarchi) um die Hand, heiratet sie kurz danach in der Chiesa di San Nicolò. Wer den Film kennt, erkennt jeden Drehort sofort wieder.
Heute funktioniert die Bar als reales Café, mit Memorabilien an den Wänden: Filmplakate, Standfotos der Crew, ein gerahmter Coppola-Brief von 1972. Inhaberfamilie ist die ursprüngliche Familie Trimarchi. Granita 3-4 €, Mandel oder Maulbeere klassisch. Geöffnet meist 9-19 Uhr, im Sommer länger. Adresse: Piazza Fossia.
Die 17 Mumien der Capuziner-Krypta
Im Convento dei Cappuccini, gegründet 1574, gibt es eine Krypta mit 17 mumifizierten Toten. Konserviert wurden lokale Notabeln, Kleriker und Patrizier - kein gewöhnlicher Friedhof, sondern Status-Bestattung mit Wand-Nischen. Die Mumifizierung erfolgte bis 1876 nach „ägyptischem Brauch“: Trocknung, Wickeln in Leintücher, klimatische Konservierung in der trockenen Krypta-Luft. Die letzten Toten dort tragen Kleidung aus dem frühen 19. Jahrhundert - Hosenträger, Hemden, einer noch mit Lorgnon.
Heute Teil des „Progetto Mummie Siciliane“ - eines internationalen Forschungsprojekts der Universität Palermo und der Eurac Research Bozen. Mumien werden CT-gescannt, DNA-getestet, klimatisch überwacht. Eintritt etwa 3 €, Öffnung mit Voranmeldung beim Comune (oder vor Ort beim Schlüsselverwahrer fragen). Eine der wenigen Mumien-Sehenswürdigkeiten Italiens neben den Cappuccini-Katakomben in Palermo.
Sehenswürdigkeiten im Überblick
| Sehenswürdigkeit | Lage | Hinweis |
|---|---|---|
| Bar Vitelli (Palazzo Trimarchi) | Piazza Fossia | Echter Drehort der Hochzeits-Verlobung Apollonia/Michael Corleone aus „Der Pate" (1972), gedreht 1971. 18.-Jh.-Palast, heute funktionierende Bar mit Pate-Memorabilien. Granita 3-4 €. |
| Chiesa di San Nicolò | Höchster Punkt der Altstadt | Mittelalterlich, Anfang 13. Jh., dreischiffig. Drehort der Hochzeitsszene aus „Der Pate". Mit Statue der Schutzpatronin Santa Lucia. Frei zugänglich. |
| Capuziner-Krypta | Convento dei Cappuccini | 17 mumifizierte Notabeln, Kleriker und Patrizier, ägyptische Mumifizierungs-Methode bis 1876 angewandt. Kleider aus dem frühen 19. Jh. Eintritt etwa 3 €. Schauerlich, aber als historisches Dokument einzigartig. |
| Castello di Pentefur | Höchster Punkt des Bergrückens | Burgruine arabisch-normannischen Ursprungs. War Sommerresidenz des Archimandrita von Messina. Aufstieg über Treppen, Aussicht zur Küste und ins Tal d'Agrò. Frei zugänglich. |
| Chiesa Madre Santa Maria in Cielo Assunta | Stadtmitte | Hauptkirche, mittelalterlich, mit barocken Anbauten. Frei. |
| Belvedere | Stadtrand | Aussichtsplattform mit Blick zum Ionischen Meer, zur kalabrischen Küste, zu den Peloritani-Bergen und zum Aetna im Süden. |
Castello di Pentefur und Aussicht
Auf dem höchsten Punkt des Bergrückens die Ruinen einer Burg arabisch-normannischen Ursprungs. Vermutlich von den Sarazenen errichtet, dann von den Normannen ausgebaut nach 1061. War Sommerresidenz des Archimandrita von Messina - des obersten orthodoxen Würdenträgers Siziliens, ein griechisch-byzantinisches Erbe, das bis ins 16. Jh. fortlebte. Heute Mauerreste, Zisternen, Wall-Anlagen. Aufstieg über Treppen aus dem Stadtkern, etwa 15 Minuten zu Fuß. Frei zugänglich, kein Ticket. Aussicht über die gesamte Region.
Santa Lucia und die Karwoche
Zwei Hauptfeste prägen Savocas Kalender. Santa Lucia am 13. Dezember und am zweiten August-Sonntag - die Schutzpatronin Sciclis (mit Statue in San Nicolò). Mittelalterliche Darstellung des Martyriums mit Masken, einer Teufelsgestalt und rituellen Elementen. Tradition belegt seit dem 15. Jh., gilt als eine der archaischsten Volksfest-Formen Süditaliens.
In der Karwoche Via-Crucis-Prozession und Passionsspiele im historischen Zentrum. Mehrere Tage lang, mit lokalen Darstellern in Kostümen aus Familien-Tradition.
Esskultur und Restaurants
Savoca ist klein - die Restaurant-Auswahl ebenso. Empfehlungen:
- Bar Vitelli - für Granita und Cafè, mit Pate-Erinnerungen. 3-5 € pro Konsumation. Ein Stück Filmgeschichte mit Saft am Strohhalm.
- Ristorante San Giorgio, Piazza San Giovanni - sizilianische Hausmannskost, Pasta alla Norma, gegrilltes Lamm aus den Peloritani. 25-40 € pro Person.
- Trattoria Vetreria Crameri - moderne Variante mit lokalen Zutaten. Reservierung empfohlen.
Lokale Spezialitäten: Pasta alla Norma mit gerösteten Auberginen und Ricotta salata, Pesce spada al salmoriglio (Schwertfisch mit Zitronen-Olivenöl), Lammfleisch aus den umliegenden Bergweiden, klassische sizilianische Süßspeisen wie Ricotta-Cannoli und Granita.
Anreise und Kombinationen
- Auto ab Taormina: 30 Min nördlich, 20 km. Über Autostrada A18 Ausfahrt Roccalumera, dann Bergstraße SP19 hoch.
- Auto ab Messina: 1 Std südwestlich, 45 km
- Auto ab Catania: 1,5 Std nördlich, 75 km
- Bus AST: Linie Sant'Alessio Siculo - Savoca - Casalvecchio Siculo, sehr unregelmäßig (mit lokalem Comune Fahrplan überprüfen)
- Parken: kleiner Parkplatz am Stadteingang, 1 € pro Stunde. Innenstadt teils Fußgängerzone.
Sinnvoll kombiniert mit:
- Forza d'Agrò - 10 Min südlich, weiterer Pate-Drehort (Heimat-Szenen Vito Corleones, Teile II und III)
- Taormina - 30 Min südlich, Hauptort der Region
- Castelmola - 40 Min südlich, Bergdorf über Taormina mit Mandelwein-Bar
- Aetna - 1,5 Std südwestlich, Tagesausflug
- Naxos-Giardini - 35 Min südlich, archäologische Stätte und Strand
Häufige Fragen
Warum drehte Coppola hier?
Corleone war 1971 wegen Mafia-Krieg unsicher. Savoca bot mittelalterliche Gassen, Bar im Palazzo, Treppen-Kirche - alles gleich beieinander.
Bar Vitelli echt?
Ja. Reale Bar im Palazzo Trimarchi (18. Jh.), Piazza Fossia. Granita 3-4 €. Memorabilien an den Wänden.
Wie viele Mumien?
17, in Wand-Nischen der Capuziner-Krypta. Mumifizierung bis 1876 nach „ägyptischem Brauch“.
Eintrittspreise?
Bar Vitelli: Konsumation 3-5 €. Capuziner-Krypta: ca. 3 €. Castello Pentefur: frei.
Anreise ohne Auto?
Schwierig. Bus AST sehr unregelmäßig. Mit Tour ab Taormina einfacher: Halbtag 50-80 €.
Pate-Drehorte beide Orte?
Savoca: Bar Vitelli, Hochzeit, Verlobung. Forza d'Agrò: Heimatdorf-Szenen Vito Corleones (Teil II) und Michaels Rückkehr (Teil III).
Wie viele Tage?
Halbtag in Savoca, halber Tag in Forza d'Agrò. Mit Lunch dazwischen ein voller Tag.
Castello-Aufstieg?
Etwa 15 Min Treppen vom Stadtkern. Frei. Aussicht in alle Himmelsrichtungen.
Was essen?
Pasta alla Norma, Schwertfisch al salmoriglio, Lamm aus den Peloritani. Restaurants: Ristorante San Giorgio.
Hauptfest?
Santa Lucia 13. Dezember und 2. Augustsonntag. Karwoche mit Passionsspielen.
Offizielle Quellen
- Gemeinde Savoca - offizielle Website mit Geschichte und Sehenswürdigkeiten
- I Borghi più belli d'Italia: Savoca - Porträt im Verband der schönsten Dörfer Italiens
Stand: Juni 2026. Mehr in unseren Guides zu Forza d'Agrò und Taormina.