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Scicli mit Via Mormino Penna und Chiesa di San Matteo am Hügel

Stadt

Scicli

26.925 Einwohner. 108 m Höhe. UNESCO Val di Noto seit 2002. Drei Schluchten treffen sich, Spätbarock-Achse Via Mormino Penna. Das Rathaus dient seit 1999 als Polizeikommissariat von Vigàta in der Commissario-Montalbano-Serie.

Was Scicli ausmacht

Eine Stadt in einer Mulde, in die drei Schluchten münden. Fiumara di Modica-Scicli, Torrente Santa Maria La Nova, Torrente San Bartolomeo - drei Bachläufe, die im Stadtkern aufeinander treffen. Zwischen ihnen drei Hügel: San Matteo (mit der monumentalen verlassenen Hauptkirche), San Marco mit dem Kreuzberg, Rosario. Die natürliche Bauenge zwingt zu schmalen Gassen, hohen Mauern, vertikalen Fassaden. Wer aus Modica kommt - sechs Kilometer entfernt, ähnlich gebaut, ähnlich UNESCO -, sieht sofort den Unterschied: Modica ist amphitheater-artig, Scicli verschachtelt.

Nach dem Erdbeben 1693 wieder aufgebaut, zusammen mit den anderen sieben Städten des Val di Noto. UNESCO-Welterbe seit 2002. Hauptachse Via Mormino Penna mit den großen Familien-Palazzi. Seit 1999 zusätzlich kulturelles Phänomen, weil die Commissario-Montalbano-TV-Serie hier ihren fiktiven Sitz Vigàta verortet - mit echten Folgen für die Stadt.

Scicli, Via Mormino Penna mit Spätbarock-Palazzi
Scicli - drei Schluchten, drei Hügel, Spätbarock im Tal.

Die echten Montalbano-Drehorte

Eine häufige Falschaussage in Reiseführern: „Palazzo Iacono“ sei das Polizei-Kommissariat in der Serie. Stimmt nicht. Der echte Drehort ist das Palazzo del Municipio - das Rathaus selbst, in der Via Mormino Penna. Die Treppe vor dem Eingang ist seit 1999 das Standard-Establishing-Shot der Polizei-Außenszenen. Wer den Eingang sieht, erkennt sofort die Szene: Montalbano kommt aus dem Auto, schaut zur Treppe, geht hinein.

Im Inneren wird es spezifischer: Das Büro des echten Bürgermeisters spielt in der Serie das Büro des Questore Luca Bonetti-Alderighi in Montelusa. Wer die Innen-Szenen mit dem nervös-gönnerhaften Vorgesetzten von Montalbano kennt, sieht hier den Original-Schreibtisch. Führungen sind mit Voranmeldung beim Comune möglich, oft im Rahmen der Cultura-Italia-Initiative.

Weitere Drehorte in Scicli: Caffè Conca d'Oro auf der Via Mormino Penna als Café in mehreren Folgen. Verschiedene Innenhöfe und Gassen für Verfolgungsszenen. Die Chiesa di San Bartolomeo im Hintergrund mehrerer Außenaufnahmen. Tour-Anbieter starten ab 25 € pro Person, etwa 1,5 Stunden zu Fuß durch die Drehorte. Geführt oft von lokalen Komparsen.

Via Mormino Penna - die spätbarocke Hauptachse

Die zentrale Straße Sciclis. Wenige hundert Meter, an denen sich die wichtigsten Palazzi und Kirchen aufreihen. Nach dem Erdbeben 1693 als Vorzeige-Achse neu angelegt, mit Ein-Familien-Palazzi nach französisch-spanischem Muster.

  • Palazzo Beneventano - das UNESCO-Wahrzeichen Sciclis. Mauer-Konsolen mit grotesken Mohrenköpfen und Karikatur-Skulpturen 18. Jh. - eine der charakteristischsten Spätbarock-Fassaden Siziliens. Von außen frei einsehbar, Innen heute teils privat.
  • Palazzo Spadaro - drei Geschoße, schmiedeeiserne Balkone, Wappen über dem Hauptportal. Adelssitz 18. Jh.
  • Palazzo Bonelli - typische Spätbarock-Palazzi mit Innenhof.
  • Chiesa di San Giovanni Evangelista - elliptischer Grundriss, einer der wenigen in Sizilien. 1760-1801 erbaut. Eintritt frei.
  • Chiesa di Santa Teresa - Mitte 18. Jh., Karmeliterinnen-Kloster.

Chiesa di San Bartolomeo und der Padula-Presepe

Die Kirche im westlichen Tal, eine der wenigen, die das Erdbeben 1693 überstanden hat - 15. Jh.-Kern, dann Spätbarock-Anbau. Fassade von Salvatore Alì in barock-neoklassizistischer Mischform.

Hauptattraktion im Inneren: der Pietro-Padula-Presepe von 1773. Ursprünglich 65 lebensgroße Holzfiguren, 29 erhalten. Pietro Padula war ein neapolitanischer Holzschnitzer, der für den sizilianischen Adel arbeitete. Die Krippe ist in einer Seitenkapelle dauerhaft ausgestellt - kein „nur an Weihnachten“-Format. Die Figuren stehen auf einer architektonischen Ruinen-Landschaft, mit Hirten, Engeln und Heiliger Familie. Eine der wichtigsten Krippen-Anlagen Süditaliens.

Weitere Highlights: Mattia Preti „Deposition“ aus dem 17. Jh. - Mattia Preti war einer der wichtigsten Maler des italienischen Barocks, lebte zuletzt in Malta. Das Bild kam wohl als Schenkung nach Scicli. Außerdem ein silberverkleidetes Holz-Madonna-Abbild „Immacolata“ 19. Jh., und ein silbernes Reliquien-Gefäß. Eintritt frei, geöffnet meist 9-12 und 16-19 Uhr, Sommer länger.

Chiesa di San Matteo - die verlassene Hauptkirche

Auf dem höchsten der drei Hügel. Bis 7. Oktober 1874 chiesa madre Sciclis - dann gab man die Funktion auf, weil die Bevölkerung längst in die Niederung umgesiedelt war. Heute monumentale Ruine: Mittelalterlicher Kern, Reste paläochristlicher Bauphasen, Wiederaufbau nach dem 1693-Erdbeben, dann allmählicher Verfall.

Aufstieg über Treppen vom Stadtkern, etwa 20 Minuten zu Fuß. Frei zugänglich, kein Ticket. Innen teils einsturzgefährdet, aber Hauptschiff begehbar. Aussicht von der Terrasse über das gesamte Tal: bis zu den Hügeln gegenüber, bei klarem Wetter zum Mittelmeer im Süden. Im Sommer am späten Nachmittag besonders beeindruckend.

Sehenswürdigkeiten im Überblick

Sehenswürdigkeit Lage Hinweis
Via Mormino Penna Stadtachse Spätbarocke Hauptstraße mit Palazzo Beneventano, Palazzo Spadaro, Palazzo Bonelli, Chiesa San Giovanni Evangelista und Chiesa di Santa Teresa. UNESCO-Kern.
Palazzo del Municipio (Drehort Vigàta-Kommissariat) Via Francesco Mormino Penna Das echte Scicli-Rathaus dient in der Commissario-Montalbano-Serie als Polizeikommissariat von Vigàta. Eingang mit Treppe als Standard-Establishing-Shot der Polizei-Außenszenen seit 1999.
Ufficio del Sindaco (Drehort Questore-Büro) im Municipio Das echte Bürgermeister-Büro spielt in der Serie das Büro des Questore Bonetti-Alderighi in Montelusa. Führungen mit kommunaler Anmeldung möglich.
Chiesa di San Bartolomeo Westliche Schlucht Spätbarock-neoklassizistisch, Fassade von Salvatore Alì. Im Inneren der Pietro-Padula-Presepe von 1773 (Neapel) - ursprünglich 65 lebensgroße Holzfiguren, 29 erhalten. Mattia Preti „Deposition" 17. Jh.
Chiesa di San Matteo San-Matteo-Hügel Bis 7. Oktober 1874 chiesa madre der Stadt, dann aufgegeben. Heute monumentale Ruine als Aussichtspunkt. Mittelalterlicher Kern, Reste paläochristlicher Bauphasen.
Palazzo Beneventano Via Mormino Penna Mauer-Konsolen mit grotesken Mohrenköpfen und Karikatur-Skulpturen 18. Jh. UNESCO-Wahrzeichen Sciclis. Frei von außen einsehbar.
Chiesa di Santa Maria La Nova Hauptplatz Fassade Mitte 18. Jh., Inneres mit Madonna-Statue aus byzantinischer Zeit (12. Jh.). Frei.
Convento del Carmine Stadteingang Karmeliterkloster 17. Jh. mit angegliederter Chiesa del Carmine. Heute teils Kulturzentrum.

Cavalcata di San Giuseppe und Madonna delle Milizie

Zwei Pferde-Prozessionen prägen Sciclis Festkalender. Im März die Cavalcata di San Giuseppe, am Sonntag vor dem 19. März (Josefstag). Pferde werden mit „bardature“ geschmückt: aufwendige Geschirre aus frischen Blumen - Geißblatt, Veilchen, Stiefmütterchen, Lorbeer -, die wochenlang in Familien-Werkstätten gefertigt werden. Jede „bardatura“ wiegt mehrere Kilogramm und bedeckt das Pferd vom Kopf bis zur Kruppe. 25 bis 50 Reiter ziehen durch die Altstadt, Wettkampf um die schönste „bardatura“. Eine der intensivsten Folkloristik-Veranstaltungen Süditaliens, immaterielles UNESCO-Kulturerbe-Kandidat seit 2018.

Im Mai dann Madonna delle Milizie, am letzten Samstag des Monats. Erinnert an die Schlacht von 1091, in der Roger I. die Stadt von den Sarazenen befreite - laut Legende half die Madonna auf einem weißen Pferd. Prozession von der Chiesa Madonna delle Milizie (außerhalb der Stadt, am Strand) durch die Stadt. Kapelle dort wurde zwischen 1091 und 1093 errichtet. Süßspeise zum Fest: „Teste di Turco“ - „Türkenköpfe“, gefüllter Brandteig-Kringel mit Crema, Symbol der geschlagenen Sarazenen-Krieger. Auch das ein Stück lokaler Geschichte, die durch Mund und Magen weiterlebt.

Carnevale degli Animali

Anfang Februar der Karneval Sciclis - mit Schwerpunkt Tier-Allegorien. Große Pappmaché-Tiere auf Wagen, oft politische Karikaturen. Weniger Tourismus als der Karneval von Acireale, dafür intensiver lokaler Charakter. Höhepunkt am Sonntag vor Aschermittwoch mit Umzug durch die Hauptstraßen. Abends Verbrennung der Karneval-Puppe „Re Scrocchiazzeppi“ am Hauptplatz. Anschließend Karneval-Bankette in Familien und Vereinen, mit klassischem Karneval-Süßgebäck „chiacchiere“.

Esskultur

Die ragusanische Provinz hat eigene Spezialitäten. Scaccia ragusana - dünn ausgerolltes Brot, in mehreren Lagen mit Tomaten und Käse, oder Auberginen, oder Petersilie und Zwiebel gefüllt, dann mehrfach zusammengerollt und gebacken. Wie eine flache Strudel-Form, aber salzig. Mpanate - kleine Teig-Taschen mit Lammfleisch oder Wurst, vor allem zu Ostern.

Restaurants:

  • Satra, Vicolo San Bartolomeo 6 - sizilianische Hausmannskost mit Schwerpunkt lokaler Produkte. 25-35 € pro Person.
  • Pomodoro, Via Lipparini 27 - traditionelle Trattoria mit kleiner Karte, je nach Saison.
  • Ristorante Marrabbio - in einem alten Palazzo, Pasta hausgemacht.
  • Caffè Conca d'Oro, Via Mormino Penna - selbstverständlich auch Drehort, gute Granita.

Anreise und Parken

  • Auto ab Modica: 25 Min südlich, 14 km
  • Auto ab Ragusa: 30 Min südlich, 25 km
  • Auto ab Noto: 1 Std westlich, 60 km
  • Auto ab Catania: 2 Std südlich, 130 km (A18 + SS115)
  • Bahn: Linie Syrakus-Modica-Pozzallo, Bahnhof Scicli am Ortsrand. Etwa 15 Min Fußweg ins Zentrum.
  • Bus AST: aus Ragusa und Modica, mehrmals täglich
  • Parken: Largo Gramsci und Via Aleardi am Stadtrand. Innenstadt teils ZTL. 1-2 € pro Stunde.

Was kombinieren?

  • Modica - 25 Min nördlich, Schokoladen-Stadt mit eigener UNESCO-Funktion
  • Ragusa Ibla - 30 Min nördlich, Spätbarock-Höhepunkt
  • Punta Secca - 30 Min südlich, Strand-Ortschaft mit dem echten „Casa Montalbano“ am Strand (Faro-Haus mit Veranda)
  • Donnafugata-Schloss - 30 Min westlich, Drehort vieler Innen-Szenen Montalbano (als „Mafia-Villa“)
  • Marina di Ragusa - 30 Min westlich, Strand-Ort der Provinz
  • Cava d'Ispica - 30 Min nordöstlich, Felshöhlen-Schlucht mit prähistorischen Behausungen

Häufige Fragen

Welches Gebäude ist das Vigàta-Kommissariat?

Das echte Rathaus von Scicli (Palazzo del Municipio in der Via Mormino Penna). Nicht „Palazzo Iacono“ wie häufig falsch genannt.

Wie viele Einwohner?

26.925 (Stand Januar 2026). 108 m Höhe.

Cavalcata-Datum?

Sonntag vor dem 19. März. Pferde mit Blumen-„bardature“ geschmückt.

Madonna delle Milizie?

Letzter Samstag im Mai. Erinnert an die Schlacht 1091. Süßspeise: Teste di Turco.

San Matteo Eintritt?

Frei. Aufstieg etwa 20 Min über Treppen vom Stadtkern. Aussicht über das ganze Tal.

San Bartolomeo Highlight?

Pietro-Padula-Presepe 1773. 29 von ursprünglich 65 lebensgroßen Holzfiguren erhalten. Plus Mattia Preti „Deposition“ 17. Jh.

Anreise?

Auto ab Catania 2 Std (A18 + SS115). Bahn von Syrakus über Modica.

Karneval?

„Carnevale degli Animali“ Anfang Februar. Tier-Allegorien aus Pappmaché.

Wie viele Tage?

Halber Tag bis Tagesausflug. Mit Modica und Ragusa Ibla 3-Tage-Tour Süd-Val-di-Noto.

Was essen?

Scaccia ragusana, Mpanate, Cassata Ragusana. Restaurants: Satra, Pomodoro.


Stand: Mai 2026. Mehr in unseren Guides zu Modica, Ragusa und Noto.