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Cannoli

Essen und Trinken

Cannoli

Die berühmteste Süßspeise Siziliens: frittierte Teigröhren, gefüllt mit gesüßter Schafsricotta. Ursprung im arabischen Sizilien, später in Klöstern und Karnevalsküchen perfektioniert.

Woher der Cannolo kommt

Die meisten Spuren führen nach Caltanissetta. Der Stadtname geht auf das arabische Kalat an-nisa zurück, „Burg der Frauen" - hier sollen die Haremsdamen eines sarazenischen Emirs den Cannolo erfunden haben. Plausibel ist das, weil die Araber das Süße beherrschten: Sie verarbeiteten die schon damals auf Sizilien hergestellte Schafsricotta mit Zucker und kandierten Früchten. Später übernahmen Klöster das Rezept und verfeinerten es.

Der Historiker Gaetano Basile verbindet den Cannolo mit dem Karneval. Ursprünglich war er ein Faschingsgebäck, dessen Form als anzüglich galt und lange nicht öffentlich gezeigt wurde. Der Name selbst ist nüchterner: Er kommt von canna, dem Rohr. Der Teig wurde um Flussrohre gewickelt und frittiert, heute nimmt man Stahlröhrchen. Wer den berühmtesten Filmsatz dazu kennt - „Leave the gun, take the cannoli" aus dem Paten von 1972 - hat eine Vorstellung vom kulturellen Gewicht dieses Gebäcks.

Die Ricotta-Regel

Ein guter Cannolo steht und fällt mit zwei Dingen: der Schale und dem Füllzeitpunkt. Die Schale muss knusprig sein, fast splittern. Wird sie vorgefüllt im Tresen ausgelegt, zieht die Feuchtigkeit der Ricotta ein und sie wird zäh. Deshalb die wichtigste Regel: Eine gute Pasticceria füllt den Cannolo erst, wenn Sie bestellen. Sehen Sie fertig befüllte Cannoli in der Auslage liegen, ist das ein Warnzeichen.

Die Füllung ist klassisch Schafsricotta, abgetropft, durch ein Sieb passiert und nur mit Zucker verrührt - keine Sahne, kein Pudding. Die Enden werden je nach Region unterschiedlich getaucht: in Bronte-Pistazien im Osten, in kandierte Orange im Westen, in Modica auch in Schokostückchen. Preis: 2-4 € pro Stück. Glutenfreie Schalen führen inzwischen mehrere AIC-Pasticcerien, Details im Glutenfrei-Guide.

Piana degli Albanesi - das Cannolo-Dorf

Rund 30 km südlich von Palermo, in den Bergen, liegt Piana degli Albanesi. Der Ort wurde im 15. Jahrhundert von albanischen Flüchtlingen gegründet, die arbëresh-Gemeinschaft spricht bis heute eine albanische Mundart und feiert nach byzantinischem Ritus. Berühmt ist der Ort für seine Cannoli: deutlich größer als anderswo, mit einer gröberen, weniger süßen Ricotta, die kräftiger schmeckt.

Für viele Sizilianer ist Piana degli Albanesi die Adresse für den besten Cannolo der Insel. An Wochenenden fahren Palermitaner eigens hierher. Wer einen Mietwagen hat, kombiniert den Abstecher gut mit einem Vormittag in den Bergen - die Straße hinauf führt durch grüne Landschaft, die wenig mit der Postkarten-Küste zu tun hat.

Häufige Fragen

Was sind Cannoli?

Knusprige Teigröhren, frittiert, gefüllt mit gesüßter Schafsricotta. Der Teig enthält Marsala und Schmalz, die Enden werden oft in Pistazien, kandierte Orange oder Schokostückchen getaucht.

Warum heißt es Cannolo?

Von canna, dem Rohr. Früher wurde der Teig um Flussrohre gewickelt und frittiert, heute um Stahlröhrchen. Die Form ist geblieben, der Name auch.

Wo gibt es die besten?

Caffè Sicilia Noto (Corrado Assenza), Maria Grammatico Erice, Antica Dolceria Bonajuto Modica, Pasticceria Cappello Palermo, Pasticceria Costa Catania. Und Piana degli Albanesi für die größten.

Was kostet ein Cannolo?

2-4 € pro Stück, 4-6 € für Premium-Varianten mit Pistazien-Topping. In Piana degli Albanesi sind die großen Exemplare entsprechend teurer.

Wann werden sie gefüllt?

Erst auf Bestellung. Eine vorgefüllte Schale wird weich - das ist das sicherste Zeichen für schlechte Qualität. Gute Pasticcerien füllen erst, wenn Sie bestellen.

Welche Ricotta gehört rein?

Schafsricotta (ricotta di pecora), abgetropft und durch ein Sieb passiert, mit Zucker verrührt. Kuhricotta ist milder, gilt aber als die schlechtere Wahl.

Sind Cannoli glutenfrei möglich?

Die Füllung ist von Natur aus glutenfrei, die Schale nicht. AIC-Pasticcerien führen zunehmend GF-Schalen. Mehr in Glutenfrei-Cannoli.

Was ist Piana degli Albanesi?

Ein arbëresh (albanisch-sizilianischer) Ort rund 30 km südlich von Palermo, berühmt für besonders große Cannoli mit gröberer, weniger süßer Ricotta. Das Wallfahrtsziel für Cannolo-Fans.

Was ist der Unterschied zur Cassata?

Cassata ist ein Schichtkuchen aus Biskuit, Schafsricotta, Marzipan und kandierten Früchten. Gleiche Ricotta-Basis wie der Cannolo, aber als Torte statt als Röhre.

In welcher Stadt sind die Pasticcerien am besten?

Noto und Modica im Süden, Erice im Westen, dazu Palermo und Catania. Für das reine Cannolo-Erlebnis lohnt der Abstecher nach Piana degli Albanesi.

Offizielle Quellen


Stand: Juni 2026.